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09.04.2018

Aufsichtsrats-Radar 2018: Der Disruptionsfalle entkommen

Die Komplexität der Arbeit von Aufsichtsräten hat eine völlig neue Dimension erreicht: Zeit- und Arbeitsaufwand steigen, Reputationsrisiken nehmen zu, vor allem aber müssen Unternehmen auf unvorhersehbare Szenarien und disruptive Veränderungen vorbereitet werden. Eine effiziente und wirkungsvolle Aufsichtsratsarbeit wird damit sehr viel schwieriger. Zudem geraten Aufsichtsräte zunehmend in den Fokus der Medien, wenn Fehler in Unternehmen passieren: Skandale wie "Diesel-Gate", Korruptionsaffären und Betrugsthemen fordern die Räte. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen aus dem Tagesgeschäft: Neue Spieler treten auf und greifen traditionelle Geschäftsmodelle an oder krempeln ganze Märkte um. Der Disruptionsfalle aus höherem Zeitaufwand, etwa aufgrund steigender Anforderungen an das Risikomanagement, und fortschreitender Komplexität müssen sich die Räte stellen. Gelingen kann das durch proaktives Agieren und eine weitere Professionalisierung der Aufsichtsratsarbeit. Dazu gilt es, an fünf Stellschrauben anzusetzen: an der Zusammensetzung des Aufsichtsrats, am Auswahlprozess für neue Mitglieder, an der internen Kommunikation und Kooperation, dem Risikomanagement sowie der Vergütung.

Zudem sollte die Debatte rund um neue Denkanstöße für die Weiterentwicklung des deutschen Aufsichtsratsmodells vorangetrieben werden. Das sind Ergebnisse aus dem "AlixPartners Aufsichtsrats-Radar 2018" - basierend auf strukturierten Interviews mit Aufsichtsratsmitgliedern von DAX- und MDAX-Unternehmen sowie einer Regressionsanalyse.

Wege aus der Disruptionsfalle

Unter den fünf identifizierten Erfolgsfaktoren geben die von AlixPartners Befragten der Zusammensetzung des Aufsichtsrats und dem Erfahrungshintergrund der Gremienmitglieder die höchste Relevanz. Mit einer Gewichtung von 23 Prozent gelten die personelle Besetzung und der Kompetenzmix als wichtigste Stellschraube, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Geschlecht, Hautfarbe oder Nationalität seien dabei irrelevant, formuliert ein Befragter: "Es geht alleine um den richtigen Mix aus Kompetenzen und Erfahrung." Für 78 Prozent der Interviewten ist Kompetenz denn auch das wichtigste Kriterium erfolgreicher Aufsichtsratsarbeit. Die von AlixPartners durchgeführte Regressionsanalyse stützt diesen Befund und zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und der Branchenexpertise der Aufsichtsratsmitglieder. Zwar sehen die Befragten ihre jeweiligen Gremien diesbezüglich mehrheitlich gut aufgestellt. Gleichzeitig scheint es aber auch Entwicklungsbedarf zu geben: Den Reifegrad des heute schon erreichten Kompetenzmix stufen die Befragten mit 54 Prozent nur als mittelhoch ein.



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