FIRM

FIRM Banking Risk Roundtable

Risikomanagement vor dem Hintergrund zunehmender Regulierungsvorgaben ist eine der zentralen Herausforderungen der Finanzbranche. Bei strategischen, den gesamten Bankenmarkt betreffenden Themen ist es deshalb wichtig, den säulenübergreifenden Austausch von Instituten zu stärken und Ansätze zur Weiterentwicklung von Risikomanagementprozessen zu fördern. Der FIRM Banking Risk Round Table ist hierfür eine etablierte Plattform und mit 20 Mitgliedsinstituten ein wichtiger  Repräsentant des deutschen Bankensektors. Die Anpassung des Kapitalmanagements an neue Regulierungsanforderungen hat derzeit höchste Priorität. Allein das neue Rahmenwerk Basel III umfasst sechshundert Seiten, die ergänzenden Ausführungen werden auf einen Umfang von vier- bis sechstausend Seiten geschätzt. Noch sind nicht alle Umsetzungsrichtlinien fertig, aber schon jetzt ist klar: Auf die Risikocontroller der deutschen Banken wartet eine große Aufgabe. Vor diesem Hintergrund wird ersichtlich, wie wichtig der fachliche Austausch unter Risikomanagement-Experten ist – nicht nur in den Kompetenzeinheiten der jeweiligen Häuser, sondern auch institutsübergreifend. Denn in der praktischen Umsetzung werfen die vielschichtigen  gesetzlichen Vorgaben immer neue Fragen auf. Wie werden einzelne Aspekte priorisiert? Wie lassen sich neue Anforderungen in Strukturen und Prozesse übersetzen, oder muss sogar die Risikoarchitektur verändert werden? Welche Aufgaben lassen sich in eigenen Projektteams lösen, wo sind externe Beratungsleistungen erforderlich?

Austausch zu Grundsatzfragen
Zu diesen Fragen suchen die führenden Risikomanager der Mitgliedsinstitute im FIRM Banking Risk Roundtable den Austausch. Dabei geht es um Grundsätzliches. Beispielsweise das Basel-Papier 239 zur effektiven Risikodatenaggregation und zum Risikoreporting: Diskutiert wird über Best-Practice-Beispiele, weil sich hier wertvolle Erkenntnisse für das Projektmanagement im eigenen Haus gewinnen lassen. Auch übergreifende Interpretationsfragen werden erörtert. Beispielsweise, welche Auswirkungen die in der Mindestanforderung an das Risikomanagement (MaRisk) geforderte Trennung von Marktfolge und Risikocontrolling auf Organisationsstrukturen haben. Auslegungsfragen oder operative Umsetzungsdetails sind dagegen nicht im Fokus des Risk Roundtables. Dies ist Aufgabe der Fachabteilungen in den jeweiligen Banken.

Großes Interesse auf Bankenseite
Der Risk Roundtable ist in seinem Aufbau einmalig in Deutschland. Vertreten sind Institute aus allen drei Säulen: Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Privatbanken, jeweils mit der ersten für Risikomanagement zuständigen Führungsebene. Entstanden ist das Gremium aus den ICAAP-Nachschau-Prüfungen der Bankenaufsicht. Damals gab es eine Initiative verschiedener Berater, die Banken säulenübergreifend zur Erarbeitung einer gemeinsamen Studie zusammenzubringen. Ziel war es herauszufinden, ob die Aufsicht einheitlich mit dem ICAAP umgeht. Die Teilnehmer in der Studie haben sich im Nachgang entschlossen, weitere Zusammentreffen zu organisieren und zu diesem Zweck im Oktober 2011 den Risk Roundtable ins Leben gerufen.

Seither wächst der Kreis der Mitglieder kontinuierlich. Die regelmäßig einmal im Quartal stattfindenden Treffen werden von den Teilnehmern als wichtige Veranstaltung zum Thema Regulierung und Risikomanagement gewertet – eben weil in diesem Gremium übergreifend auf höchster Ebene und über die Säulen hinweg diskutiert werden kann.

Wichtige Impulse für Risikocontroller
Die Themen, über die in diesem Gremium gesprochen wird, sind auch abseits klassischer Regulierungsfragen breit gefächert. Welche neuen Risiken kommen am Markt auf, wo sind auffällige Betrugsansätze zu beobachten, auf welche Muster gilt es zu achten? So entsteht ein aussagekräftiges Gesamtbild, welche Risiken in den verschiedenen Instituten gesehen werden. Daraus lassen sich gute Indikatoren für die eigene Risikoprüfung ableiten. Für die Akzeptanz des Gremiums ist es auch wichtig, dass der Mehrwert in einem guten Verhältnis zum erforderlichen Aufwand steht. Deshalb ist der Aufbau der Sitzungen straff getaktet. Wichtige Themen werden aufgerufen und andiskutiert. Dabei ist die Abstraktion der Inhalte vom Tagesgeschäft ein ganz wesentliches

Merkmal der gemeinsamen Diskussionskultur. Wo erforderlich, entwickelt das Gremium auch gemeinsame Positionspapiere, um sich so aktiv in den Dialog mit Regulierer und Aufsichtsbehörden einzubringen. So wird regelmäßig geprüft, ob es Themen gibt, die ein konsolidiertes Agieren des FIRM Banking Risk Roundtables erforderlich machen. Mit Blick auf die anstehenden Aufgaben im Risikomanagement kommt dieser Frage künftig wieder größere Bedeutung zu. Denn es passiert nicht selten, dass sich im Dickicht der Regulierungen Widersprüche in der Umsetzung ergeben oder der Aufwand auf Bankenseite vom Regulierer falsch eingeschätzt wird. Dann ist es auch Aufgabe des FIRM Banking Risk Roundtables, gemeinsam Position zu beziehen.

FIRM versteht es als zentrale Aufgabe, den Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern. Deshalb liefern auch die Mitglieder des Risk Roundtables regelmäßig Themenvorschläge, die eine vertiefende wissenschaftliche Fundierung erfordern. Gleichzeitig soll die wissenschaftliche Arbeit unterstützt werden durch fachlichen Austausch von Wissenschaftlern und Experten der Mitgliedsunternehmen, durch den Zugang zu erforderlichen Daten und durch Entwicklung gemeinsamer Thesen und Theorien.

Mitglieder des FIRM Banking Risk Roundtables:

  • Dr. Wilfried Paus (Koordinator 2016 FIRM Banking Risk Roundtable)
    Managing Director, Head of Operational Risk Management Framework, Deutsche Bank AG
  • Sven Boland (Koordinator 2017 FIRM Banking Risk Round Table)
    Leiter Risikocontrolling, DekaBank
  • Matthias Bogk
    Leiter Controlling und Risikomanagement, Wüstenrot Bausparkasse AG
  • Dr. Jörn Brandstätter
    Bereichsleiter Meldewesen & Capital Management, Deutsche Postbank AG
  • Volker Gerth
    Bereichsleiter Capital & Risk Analytics, Commerzbank AG
  • Claudia Hillenherms
    Leiterin des Bereiches Risikocontrolling, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen
  • Jens Käßner
    Generalbevollmächtigter, Stellvertretender CRO, Deutsche Postbank AG
  • Dr. Martin Knippschild
    Bereichsleiter Konzern - Risikocontrolliing, DZ BANK AG
  • Andreas Leonhard
    Bereichsleiter Group Risk Control, BayernLB
  • Dr. Bettina Mohr
    Bereichsleiterin Konzernrisikocontrolling, LBBW Landesbank Baden-Württemberg
  • Stephan Otto
    Commerzbank AG
  • Dr. Ralf Prinzler
    Leiter des Bereichs Risikocontrolling, KfW Bankengruppe
  • Ludwig Reinhardt
    Deutsche Postbank AG
  • Stefan Reisinger
    Bereichsleiter Risk Management & Control, Deutsche Pfandbriefbank AG
  • Jörg Riepenhausen
    Leiter Risikocontrolling, Aareal Bank AG
  • Jacob Sprittulla
    Bereichsleiter Risikocontrolling, Berliner Sparkasse
  • Matthias Zacharias
    Bereichsleiter Konzerncontrolling, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen

 

Bildquelle: © .shock - Fotolia.com