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Jetzt Weichen für neue Zahlverfahren stellen

Bei einer SAFE Policy Lecture am 7. Februar hat sich Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz für eine europäische Lösung im bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgesprochen. "Aus meiner Sicht wäre es an der Zeit, eine unabhängige europäische Lösung unter Einbindung der starken, effizienten nationalen Systeme – soweit vorhanden – zu schaffen", sagte Balz bei seiner Rede in der Goethe Universität. Dies würde den Wettbewerb insgesamt beleben sowie europäische Zahlungsmittel und deren Anbieter stärken, so Balz. Mit der fortschreitenden Vernetzung Europas nehme der Bedarf an universell einsetzbaren Zahlungsmitteln zu. Dafür sei die Girocard jedoch nicht gerüstet, ebenso wie andere nationale Debitkarten. Bislang sei es Kunden nur deshalb möglich, im Ausland mit der Girocard zu zahlen, weil sie mit einer der beiden großen internationalen Kreditkartensysteme verbunden werde.

"Wir müssen jetzt die Weichen für diese neuen SEPA-Zahlverfahren stellen. Denn sonst ist für uns der Zug sprichwörtlich abgefahren", sagte Balz. Der Zahlungsverkehr insgesamt verändere sich radikal: "Der Dreiklang aus Digitalisierung, Regulierung und Wettbewerb setzt die etablierten Spieler unter Druck", so Balz. In Deutschland erfolgen laut einer Studie der Bundesbank drei von vier Bezahlvorgängen noch bar. "Zur Wahrheit gehört aber ebenso: In jedem Jahr sinkt der Bargeldanteil, und dieser Rückgang hat sich zuletzt beschleunigt", sagte Balz. Alternativen wie Giro- und Kreditkarten würden an Bedeutung gewinnen. Zudem seien eine Vielzahl neuer Zahlungslösungen entstanden. Viele dieser Entwicklungen seien von den großen internationalen Technologiekonzernen aus den USA und China auf den Weg gebracht worden. Diese würden versuchen, immer mehr Nutzer auf ihre Plattformen zu ziehen. Netzwerk-, Skalen- und Verbundeffekte würden aber die Bildung von Monopolen begünstigen. Die Regulierungs- und Aufsichtsbehörden müssten sich die Frage stellen, wie europäische Alternativen erhalten oder entwickelt werden könnten.

Dabei müsse eine Balance gefunden werden zwischen effizienten und sicheren Zahlungen. Außerdem müssten Wahlmöglichkeiten für Verbraucher und Händler erhalten bleiben, sowie die Einhaltung des Datenschutzes. Bei vielen erfolgreichen Digitalkonzernen laute der Deal nämlich bisher: vermeintlich kostenlose Leistungen gegen die Preisgabe von Daten. "Daher möchte ich an die Verbraucher appellieren, genauer hinzuschauen, wie Unternehmen mit den eigenen Daten umgehen", sagte Balz.

Einer besonderen Bedeutung im Wettbewerb kommt aus der Sicht von Balz der Echtzeitverarbeitung von Zahlungen zu. Im Euro-Zahlungsverkehr würden diese Instant Payments immer noch am Anfang stehen. Es gehe für die Banken insbesondere darum, Prozesse zu beschleunigen. "Kleinere Kooperationen hier, eine schicke App da, werden nicht ausreichen, um im Wettbewerb zu bestehen", sagte er. Vielmehr müssten sie die eigenen Geschäftsprozesse hinterfragen, dekonstruieren und neu zusammensetzen. Die Grundlage für pan-europäische Echtzeitzahlungen bestehe bereits, zudem gebe es seit Ende 2017 nationale und ein europäisches Clearingsystem. Balz verwies auch auf den Start des TARGET Instant Payment Settlement System (TIPS) im vergangenen November. Dies stelle die pan-europäische Erreichbarkeit aller Institute sicher und trage dazu bei, dass Instant Payments der neue Normalfall im europäischen Zahlungsverkehr werden könnten. "Unser Ziel ist es, möglichst schnell möglichst viele Teilnehmer dafür zu gewinnen und so Instant Payment als europaweites Basisverfahren für die Digitalisierung im Zahlungsverkehr zu etablieren", sagte Balz.

Dazu müssten Kreditinstitute ihre internen Systeme fit machen für die Echtzeitverarbeitung. Zwar hätten einige Institute ihre IT-Infrastruktur bereits grundlegend erneuert, aber einige müssten diesen Kraftakt noch bewältigen. "Für die Nutzer müssen bequeme, sichere Apps oder andere geeignete Anwendungen zur Verfügung stehen, um Zahlungen auszulösen oder zu erhalten", sagte Balz. Für die Verbreitung müsse ein echter Mehrwert für Zahler und Empfänger entstehen. "Die Bundesbank begrüßt auch hier Überlegungen, etablierte Zahlungsmittel wie die Girocard aufzuwerten und `europatauglich´ zu gestalten, indem etwa die grenzüberschreitende Abrechnung über die neuen Instant Payments-Kanäle erfolgt", so Balz.

Er zeigte sich überzeugt, dass deutsche und europäische Kreditinstitute mit Instant Payments wieder näher an ihre Kunden rücken könnten. Sie könnten die Basis sein für europaweite Zahlungsdienste, die direkt an das laufende Privat- oder Geschäftskonto geknüpft seien. Offen zeigte sich Balz für eine "European Brand": Es sei vorstellbar, eine Art Marke für europäische Zahlungen zu entwickeln. "Diese könne unter einem Dach anzeigen, dass alle nationalen Karten SEPA-weit akzeptiert werden", sagte Balz. Im digitalen Zeitalter würden sich nur solche Produkte durchsetzen, die dem Kunden ein hohes Maß an Bequemlichkeit bieten würden. Dafür müssten die nationalen Verfahren grenzüberschreitend erreichbar sein. "Gelänge es, dafür ebenfalls die europäische Zahlungsmarke zu etablieren, würde das einen kräftigen Schub für die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Marktes bewirken", sagte Balz.