Am 14. Mai war Staffelübergabe:  Prof. Udo Steffens hat die Leitung von FIRM an seine Nachfolger übergeben. Gerold Grasshoff übernimmt das Amt des Vorstandsvorsitzenden. Er wird unterstützt von Dr. Carsten Lehr, der als neuer Geschäftsführer die vielen Aktivitäten im FIRM-Netzwerk koordiniert. Grasshoff und Lehr sind langjährige Mitglieder des Vereins. Erfahrung, die hilft, um die Entwicklung von FIRM aktiv zu gestalten. Was Ihnen dabei besonders wichtig ist, erzählen Sie im Interview.

 

  
Gerold Grasshoff                                              Dr. Carsten Lehr

 

Herr Grasshoff, keine einfache Zeit, um den Vorstandsvorsitz zu übernehmen.

Grasshoff: Es ist vor allem eine spannende Zeit. Kern der Aktivitäten von FIRM ist das Risikomanagement. Das ist immer wichtig, weil Risiken immer da sind. Aber jetzt, da Corona und all seine Auswirkungen das Leben und Arbeiten grundlegend verändert haben, werden Risiken schlagend. Wer jetzt nicht weiß, wie man damit professionell umgeht, der wird überrollt. Wir wissen, wie Risiken gut gemanagt werden, wir haben ein ausgezeichnetes Netzwerk an Spezialisten aus Praxis und Wissenschaft. Wir können also viel bewegen, Maßstäbe setzen.

 

Was ist Ihnen für Ihre neue Aufgabe besonders wichtig?

Grasshoff: Es sind im Wesentlichen zwei Punkte. Einer davon: Kontinuität. Ich kenne FIRM von Beginn an, bin quasi Gründungsmitglied und weiß um die Beweggründe, die zur Schaffung dieses Netzwerks geführt und die uns über die Jahre so viele Mitglieder gebracht haben. FIRM hat viele Formate, Round Tables, Gewohnheiten, die sich aus gutem Grund etabliert und immer weiterentwickelt haben. Diese aktiv zu begleiten, weiter zu stärken, manchmal auch neue Impulse zu setzen – das sehe ich als wichtige Aufgabe. Deshalb bin ich sehr froh, dass mit Dr. Carsten Lehr ein Geschäftsführer an meiner Seite ist, der FIRM ebenso gut und lange kennt und diesen Kurs unterstützen kann.

Lehr: Das kann ich nur unterstreichen. Ich war lange Jahre im Beiratsvorsitz, kenne die meisten Round Tables und Arbeitskreise, habe seit Jahren engen Kontakt zu vielen unserer Mitglieder. Aus dieser Erfahrung glaube ich sagen zu können: Es ist viel in Bewegung in unserem Netzwerk, und diese Dynamik müssen wir erhalten. Gleichzeitig gibt es noch Potenzial, unsere Mitglieder besser einzubinden.

 

Nennen Sie ein Beispiel?

Lehr: Unsere großen Round Tables laufen seit Jahren sehr gut und eigenständig. Zusätzlichen Nutzen können wir schaffen, wenn wir die Aktivitäten stärker vernetzen, Informationen und Wissen noch besser austauschen.

Grasshoff: Das wird eine unserer wichtigsten Aufgaben sein: die Kompetenzen in unserem Netzwerk verzahnen und uns auf Themen zu fokussieren, die im Risikomanagement aktuell entscheidend sind. Wir haben FIRM gegründet, als die Finanzkrise uns vor massive Herausforderungen stellte. Jetzt haben wir mit Corona eine Gesundheitskrise. Die Herausforderungen sind um ein Vielfaches höher. Nur ist dieses Mal die Finanzindustrie in einer anderen Rolle: Wir sind nicht das Problem, wir sind ein Teil der Lösung. Und FIRM hat das Potenzial, eine Plattform zu bieten, auf der solche Lösungen diskutiert werden – im Austausch mit den Aufsichtsbehörden und der Politik.

 

Ein hoher Anspruch. Wie setzen Sie das um?

Grasshoff: Ganz direkt und unaufgeregt – übrigens mein zweiter wesentlicher Punkt. Mein Ziel ist es, über Inhalte zu reden, nicht über uns selbst. Das fängt im Vorstand an: Wenn sich die Risikomanagement-Vertreter der großen Institutionen treffen, dann ist das der Rahmen, in dem neue Lösungen gedacht, neue Maßstäbe formuliert werden können. Wenn sich Praktiker und Wissenschaftler in den Arbeitskreisen treffen, dann können Themen in einer Vielschichtigkeit vertieft werden, wie es an keiner anderen Stelle gelingt. Wenn wir unsere Diskussionen noch stärker mit den Aufsichtsbehörden und Zentralbanken führen, dann können beide Seiten lernen und profitieren. Ich bin wirklich überzeugt, dass das sonst keiner kann. FIRM bietet eine Plattform, die in Deutschland einzigartig ist.

Lehr: Wir haben in den letzten Wochen schon Gespräche mit vielen Mitgliedern geführt und wissen daher, dass genau das der Wunsch ist: mehr Austausch, mehr Fachlichkeit, mehr Transparenz, sodass es einen viel leichteren Zugang zu den Informationen gibt, die in unseren Runden diskutiert werden. Deshalb wird eine stärkere Kommunikation mit unseren Mitgliedern eine weitere wichtige Aufgabe für uns sein.

Grasshoff: Ich bin übrigens ein großer Freund davon, nicht lange über Dinge zu reden, sondern sie einfach zu machen. Deshalb haben wir die ersten Wochen genutzt, Inhalte vorzubereiten, Gespräche zu führen, Formate zu schaffen. Und jetzt fangen wir direkt an.

 

Was heißt das genau?

Lehr: Wir werden für alle Mitglieder monatlich Fachbeiträge, Infos aus dem Netzwerk und zu Veranstaltungen zusammenstellen, wir werden an den verschiedenen Round Tables teilnehmen, wir erarbeiten Inhalte für Fachdiskussionen rund um Corona und die Gesundheitskrise bei den nächsten Veranstaltungen im September…

Grasshoff: … und wir freuen uns über jeden aktiven Beitrag aus dem Netzwerk. Wir können einen Rahmen setzen und Impulse geben. Das eigentlich Wertvolle schaffen aber unsere Mitglieder im gegenseitigen Austausch.