Aktuelle News auf FIRM.fm

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FIRM Jahrbuch 2020 veröffentlicht ...

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Die technologischen Entwicklungen sind rasant und verändern die Art, wie wir uns informieren und wie wir kommunizieren. Im Zeitalter der Digitalisierung wird auch die neunte Auflage des Jahrbuchs – parallel zur Druckauflage – als E-Book erscheinen. Bis zum Februar 2020 haben wir von den bisherigen acht Auflagen unseres Jahrbuchs fast 350.000 Downloads gezählt.

Die digitale Transformation in der Finanzdienstleistungswelt durchzieht nicht erst im Jahrbuch 2020 viele Artikel. Traditionelle Dienstleistungsstrukturen werden schrittweise durch "digitale" Strukturen sowie verteilte und vernetzte Informationen abgelöst. Die digitale Plattformökonomie verändert die Finanzbranche rasant und disruptiv.

So hat beispielsweise in den letzten Jahren die Alibaba Group, mit Sitz in der chinesischen Stadt Hangzhou, mit Ant Financial und Alipay unterschiedliche digitale Geschäftsmodelle für ein Online-Bezahlsystem und im Bereich der Versicherungsdienstleistungen entwickelt.

Erst im Oktober 2018 hat Ant Financial beispielsweise ein neues Krankenversicherungsprodukt mit dem Namen "Xiang Hu Bao" (deutsch: Gemeinsamer Schutz) auf den Markt gebracht (siehe hierzu den Beitrag von Frank Schiller im vorliegenden Jahrbuch). Das Produkt deckt vorgegebene Leistungen bei etwa 100 schweren Erkrankungen. Neun Tage nach Produktstart hatten zehn Millionen Kunden das Produkt gekauft. Nach rund sechs Monaten hatte Ant Financial 65 Millionen Kunden gewonnen, rund 10 Prozent des gesamten Kundenstamms von Alibaba. In zwei Jahren soll das Portfolio des Krankenversicherers 300 Millionen Kunden umfassen. Zum Vertragsabschluss wird lediglich eine stark vereinfachte Risikoprüfung basierend auf dem bereits existierenden AI-System, dem "Sesame Credit Point"-System von Alibaba – also ohne medizinische Risikoprüfung – und nur eine recht pauschale Altersunterscheidung durchgeführt. Alle Prozesse sind komplett digitalisiert – der Abschluss sowie die Leistungsabrechnung und -prüfung erfolgt digital und basierend auf AI-Methoden über eine App.

Der Versicherungsbeitrag wird nicht mehr vorab garantiert, sondern die tatsächlich angefallenen Leistungszahlungen werden zweiwöchentlich zu gleichen Teilen den Kunden verrechnet. Damit basierte das komplette Geschäftsmodelle eher auf einem genossenschaftlichen Ansatz eines Umlagesystems. Die Leistungsprüfung wird von rund 50 Mitarbeitern vollständig digital und bei Bedarf mit Hilfe der Community durchgeführt.

Rund 60 Praktiker und Wissenschaftler haben als Autoren an der diesjährigen Ausgabe des FIRM Jahrbuchs 2020 mitgewirkt. Die redaktionelle Betreuung übernahm – wie bereits in den vergangenen Jahren – die Redaktion des Kompetenzportals RiskNET.

Es ist kein Geheimnis, dass die Banken sich digitalisieren müssen. Zwar haben kommerzielle Institute stark in Frontend-Anwendungen wie schlanke Kundenschnittstellen und mobile Apps investiert, aber nur wenige sind das eigentlich größte Kapital einer Bank angegangen – ihre Kerndaten.

Im Beitrag "Glaubwürdigkeit der Abwicklungssysteme der Banken und Marktdisziplin: Nachweise aus Unternehmenseinlagen" von Florian Balke und Mark Wahrenburg (beide Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main) werden die Ergebnisse einer Studie präsentiert, in denen die Veränderungen der Marktdisziplin auf den europäischen Firmenkundeneinlagenmärkten als Reaktion auf verschiedene Krisenzeiten und Regulierungsinitiativen in der Europäischen Union untersucht wurden. Die Ergebnisse deuten daher darauf hin, dass die Reformen zur Stärkung der Marktdisziplin in der Eurozone beigetragen haben.

In ihrem Beitrag "Ein neuer Ansatz für das Management von Marktrisiken" zeigen die Autoren Stefan Bochtler, Thomas Pfuhler, Christian Schmid und Stephan Süss (alle Boston Consulting Group) auf, dass angesichts starrer IT-Systeme und zersplitterter Datenströme schnelle Lösungen kaum möglich sind. In einer Zeit, in der Banken sich erheblichen Compliance-Herausforderungen, einem turbulenten operativen Umfeld und zunehmendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt sehen, sind nur wenige von ihnen in der Lage, weitreichende Änderungen an ihren Datenmanagementsystemen vorzunehmen.

Die Ursachen der letzten Finanzmarktkrise wurden umfassend analysiert, so dass die Banken heute in vielen Bereichen in Breite und Tiefe besser auf einen möglichen Abschwung vorbereitet sein dürften, als dies noch 2008/09 der Fall gewesen ist und was die Widerstandskraft erhöhen sollte, so die Autoren Michael Berndt und Gorden Mantell (beide Ernst & Young) in dem Beitrag "Preparing for the down cycle: Aus der Perspektive des Kreditrisikomanagements". Gleichzeitig führen eben diese Verbesserungen dazu, dass die Erfahrungen vergangener Abschwünge nur bedingt auf einen zukünftigen Abschwung anwendbar sind. Daher sollten Banken jetzt beginnen, das eigene Kreditrisikomanagement und die Vorbereitung auf einen zukünftigen Abschwung neu zu bewerten und die eigenen Adaptionsfähigkeit zu hinterfragen.

Die Steuerung einer Bank richtet sich nach ökonomischen Kennzahlen, die die Wirtschaftsleistung der Organisation abbilden und sowohl zur Festlegung der Ziele des Instituts als auch zur Messung der Zielerreichung genutzt werden. In den vergangenen Jahren wird in der Finanzindustrie ein stetiger Zuwachs an Komplexität und Vielfalt in der Regulierung beobachtet, so die Autoren Maik Frey, Thorsten Kaiser und Przemyslaw Noetzel in dem Beitrag "Gesamtbanksteuerung – Banken im regulatorischen Blindflug?". Regulatorische Vorgaben, beispielsweise im Bereich der Liquidität wie der Liquidity Coverage Ratio und Asset Encumbrance Ratio oder im Kapitalbereich mit der Leverage Ratio sind komplex und gleichzeitig eng mit ökonomischen Kennzahlen verflochten. Bei ökonomischen Entscheidungen sind deshalb nicht nur die Ertragsseite, sondern auch die Auswirkungen auf die Erfüllung regulatorischer Vorgaben in Betracht zu ziehen.

Im Zuge der letzten Finanzmarktkrise ist die Risikokultur in Banken verstärkt in den Fokus von Unternehmen, Regulierung und Forschung gerückt. Zur Orientierung teilt das FSB die Risikokultur in vier Teilgebiete ein, die zu ihrer erfolgreichen Steuerung berücksichtigt werden sollten. Der Beitrag "Risikokultur – Das Unmessbare messbar machen?" von Jennifer Kunz (Universität Augsburg) und Carsten Heineke (KfW Bankengruppe) beschäftigt sich mit der Frage, welche dieser Teilgebiete in Banken gut mess- bzw. steuerbar sind und wo diesbezüglich noch größerer Handlungsbedarf besteht. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass sich Banken insbesondere bei der Förderung der Transparenz und der Steuerung einer offenen Kommunikation Herausforderungen gegenübersehen.

Das Thema Compliance ist längst nicht mehr auf große Unternehmen und Konzerne beschränkt, sondern hat auch den Mittelstand und kleinere Unternehmen erreicht. Viele Unternehmen haben Compliance-Management-Systeme (CMS) eingeführt und beschäftigen Compliance Manager. Wie aktuelle Entwicklungen in Gesetzgebung und Rechtsprechung zeigen, kommt es allerdings hinsichtlich einer positiven Berücksichtigung weniger auf die Existenz von Compliance-Maßnahmen als vielmehr auf deren Wirksamkeit zur Vermeidung beziehungsweise Reduzierung von Normverstößen an, so Martin R. Schulz (German Graduate School of Management and Law / Kanzlei CMS) in dem Beitrag "Effektives Compliance-Management: Der Mensch als Risiko und Chance". Der Autor empfiehlt daher, stärker als bislang die Ursachen für menschliches Fehlverhalten zu analysieren und die Entwicklung einer funktionierenden Compliance- und Integritätskultur zu priorisieren.

Die derzeitigen Megatrends Digitalisierung, Globalisierung, Regulierung (Governance-, Risiko- und Compliancemanagement) sowie Fachkräftemangel stellen hohe neue Anforderungen an Governance-Strukturen des "Ordentlichen Kaufmanns", um nachhaltig erfolgreich zu existieren. Der "Ordentliche Kaufmann" steht in dem Beitrag "Ordentlicher Kaufmann 4.0: Low risk, high value in unsicheren Zeiten" von Josef Scherer (Technische Hochschule Deggendorf) als Synonym für einen gewissenhaften Manager.

Das Strategische Risiko ist eines der wichtigsten Risiken im Kontext des Non-Financial Risk Management. Die treiberorientierte Planung und die Projektion der Risikosituation können eine wichtige Brücke zum Financial Risk Management und dessen quantitativem Charakter schlagen, so die Sichtweise der Autoren Volker Liermann und Nikolas Viets (beide ifb) in dem Beitrag "Management strategischer Risiken". Diese beiden Instrumente ermöglichen eine Verbesserung im Umgang mit den Unsicherheiten der Entscheidungsgrundlage in vielen Dimensionen und bieten auch wichtige Analysemöglichkeiten bei dem Risiko der Strategiedefinition.

Mit der aktuellen Diskussion zum Thema Digitalisierung wächst die Gefahr, die Objekt-Orientierung in der Modellierung zu übertreiben und den Menschen mit seinem freien Willen zu vernachlässigen, argumentieren die Autoren Roland Erben (Hochschule für Technik Stuttgart), Andreas Fornefett und Bernhard Kessler (beide plenum AG) in dem Beitrag "Aktivitäten-basierte Risikosteuerung zur Konsistenz von Management und Führung". Entscheidungen sind mit Verantwortung für die Wirkungen verbunden, die sie auslösen. Diese liegt in letzter Instanz beim Menschen. Erst bei der Beschäftigung mit Fragen zur Verantwortung beim autonomen Fahren oder Künstlicher Intelligenz wurden sich viele wieder bewusst, dass ohne einen "freien Willen" des Menschen jede Schulddiskussion obsolet würde. Die Steuerung von Risiken (Chancen und Gefahren) soll zu einem verantwortungsvollen Entscheiden und Handeln befähigen.

Auch in der betriebswirtschaftlichen Forschung ist Nachhaltigkeit ein Thema, wie es aktueller kaum sein könnte. Allen voran die Bewertung derzeit im Raum stehender Maßnahmen betreffend des Überganges in eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft ist bis dato noch nicht umfassend und wissenschaftlich fundiert erfolgt. In dem Beitrag "Corporate Social Responsibility und Bankrisiko” untersuchen die Autoren Florian Neitzert und Matthias Petras (beide Universität zu Köln), inwieweit CSR-Aktivitäten das idiosynkratische Bankrisiko beeinflussen.

Immer mehr Banken stellen ihre Organisationsstrukturen ganz oder teilweise auf agile Modelle um. Dies birgt einerseits Chancen für die Wettbewerbsfähigkeit, beeinflusst jedoch andererseits das Profil der Non-Financial Risks in der Umstellungsphase sowie im laufenden Betrieb, so Thomas Kaiser (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main) in seinem Beitrag "Einflüsse agiler Strukturen auf das Management von Non-Financial Risk". Diese Risiken müssen somit entsprechend gesteuert werden. Ferner ist dafür Sorge zu tragen, dass Governanceaspekte für Non-Financial Risks in den Strukturen und Abläufen angemessen berücksichtigt werden.

Nachhaltigkeit ist schon seit langem Teil des Bankgeschäfts. Dabei kann das Thema zahlreiche Spielarten annehmen. Von der konkreten Nachhaltigkeitsprüfung neuer Transkationen, über die Bewertung möglicher Reputationsrisiken, bis hin zur Teilnahme an öffentlichen Initiativen wie der UN Global Compact oder dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex ist fast alles denkbar. Keines dieser Elemente ist für sich genommen neu, argumentieren Jochen Peppel und Philipp Mettenheimer (beide Oliver Wyman) in dem Beitrag "Nachhaltigkeit im Bankgeschäft".

Als Systemrisiko bezeichnet man das Risiko weitgreifender Probleme in einem Finanzsystem. In Schwellenländern war dies schon länger ein wichtiges Thema, bevor es im Anschluss an die Lehman-Brothers-Pleite im September 2008 auch in entwickelten Ländern ins Rampenlicht rückte. Seitdem steht das Systemrisiko bei Reformen des Bankenwesens ganz vorne auf der Agenda. Während die mikroprudenzielle Regulierung und Aufsicht die Sicherheit und Solidität einzelner Banken im Blick hat, betrachtet die makroprudenzielle Regulierung und Aufsicht das Finanzsystem als Ganzes. Um Systemrisiken entgegenzuwirken, wurden Kapitalpuffer geschaffen. Zudem wurden Ausschüsse für Finanzstabilität gegründet, deren Aufgabe es ist, diese Art von Risiko zu beobachten und frühzeitig darauf zu reagieren. Kürzlich aktivierte die deutsche Regulierungsbehörde auf Empfehlung des deutschen Ausschusses für Finanzstabilität den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer. Mehr als ein Jahrzehnt nach den Ereignissen der Krise 2008 lässt sich sagen, dass erhebliche Fortschritte erzielt wurden und das Systemrisiko offenbar aufmerksam überwacht wird, so die Autoren Dietmar Leisen (Johannes Gutenberg Universität Mainz) und Jorge Ponce (Zentralbank Uruguay) in dem Beitrag "Systemrisiken begrenzen: Fortschritte und Herausforderungen".

In den ersten fünf Jahren hat sich der European SSM Round Table zu einer qualitativ hochwertigen und hochrangig besetzten neutralen Plattform entwickelt, bei der die Vertraulichkeit durch die Chatham- House-Regel gewahrt bleibt, argumentieren die Autoren Hermann Reuter und Lothar Jerzembek (beide International Bankers Forum e.V.) in dem Beitrag "Europäische Bankenaufsicht und Nachhaltige Entwicklungsziele". Eine verantwortungsbewusste Geschäftsleitung wird die veränderte Risikosituation genauso umsichtig berücksichtigen wie die steigenden Anforderungen an Finanzierungen im Bereich Umwelt, Soziales und Governance. Aufgrund dieser Entwicklungen dürfte der European SSM Round Table von IBF und FIRM als neutrale Plattform für einen Austausch in vertraulichem Rahmen zwischen Banken, Aufsichts- und Regulierungsbehörden, Beratern und Wissenschaftlern noch wichtiger werden. Die nächsten beiden Round Tables sind bereits fest zugesagt: im Mai 2020 bei der Bank of Finland in Helsinki und in der zweiten Jahreshälfte 2020 bei der Deutschen Bundesbank im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft.

Zentralbanken und Regierungen greifen während einer Finanzkrise regelmäßig ein, um Banken durch die Injektion von Liquidität und Kapital vor einem Zusammenbruch zu bewahren. Obwohl diese Rettungsmechanismen signifikante volkswirtschaftliche Kosten verursachen, werden sie in der öffentlichen Debatte dadurch gerechtfertigt, dass sie die Finanzstabilität erhöhen und somit die realwirtschaftlichen Kosten von Finanzkrisen mildern. In einer kürzlich vom Frankfurt Institut für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) geförderten Studie haben die Autoren Valeriya Dinger (Universität Osnabrück und Universität Leeds), Lisardo Erman (Universität Osnabrück) und Daniel te Kaat (Universität Groningen) den Effekt solcher Bankenrettungen auf die Kreditvergabe von Banken und die Realwirtschaft untersucht. In dem Beitrag "Bankenrettungsaktionen und realwirtschaftliche Dynamik" wurden die wichtigsten Ergebnisse und die politischen Implikationen zusammengefasst.

Sascha Steffen (Frankfurt School of Finance & Management) zeigt in seinem Beitrag "Auswirkungen der quantitativen Lockerung in der Realwirtschaft" auf, dass die wesentlichen Auswirkungen des Programms zum Ankauf von Unternehmensanleihen durch die EZB indirekter Natur sind. Die geldpolitische Entscheidung, in großem Umfang Unternehmensanleihen zu kaufen, führt dazu, dass den Banken das Kreditgeschäft mit berechtigten Unternehmen verloren geht und sie es dann durch die Kreditvergabe an andere Unternehmen ersetzen. Die Autoren bezeichnen dies als den "Wirkungskanal Kapitalstruktur" der Geldpolitik. Allerdings werden auch Anzeichen dargelegt, dass sich das Engagement der Banken in risikoreicheren Segmenten der Wirtschaft erhöht.
Die Autoren Jürgen Sonder (Intrum Deutschland) und Ralph Bender (Intrum Financial Services) sind davon überzeugt, dass die Schaffung eines europäischen Regelungsrahmens wie dem NPL-Leitfaden und der Entwicklung eines funktionierenden Sekundärmarktes effektive Instrumente sind, um zukünftige Krisen besser zu managen. In dem Beitrag "Auswirkungen des europäischen Regelungsrahmens für Non-Performing Loans (NPLs) und die Finanzmarktstabilität" zeigen sie auf, dass einheitliche EU-Standards den Rahmen für alle Marktteilnehmer vorgeben, die somit ihren Beitrag zu einer verringerten NPL-Quote in den Bilanzen der Banken leisten können.

In seiner speziellen Form als Currency Overlay ist Overlay Management seit langem gut bekannt und weit verbreitet. Das generelle Konzept des Overlay Managements bleibt jedoch hinsichtlich seiner ökonomischen Funktion, Organisation und Umsetzung häufig unklar. Dies dürfte nicht zuletzt an einer oft verwirrenden Vielfalt von Begriffen liegen. Jedoch wird unabhängig davon sowohl von der Praxis als auch von der Wissenschaft ein erheblicher Nutzen propagiert. In dem Beitrag "Overlay Management: Warum und Wie?" fragen die Autoren Steffen Bankamp (Georg-August- Universität Göttingen), Bernhard M. Baur (BBConsulting) und Olaf Korn (Georg-August-Universität Göttingen) nach der ökonomischen Basis für einen solchen Nutzen von Overlay Management. Die Antwort hat Auswirkungen darauf, wie Overlay Management in den Investmentprozess integriert werden sollte.

Geopolitische Risiken haben die internationalen Finanzmärkte in der jüngeren Vergangenheit immer wieder in Bewegung versetzt. Anleger mussten ihre Risikofreude in diesem Umfeld immer wieder zügig an die jeweilige Nachrichtenlage angepasst und (Risk-On/ Risk-Off). Dieses Verhalten der Investoren hat auch Implikationen für den Devisenmarkt. In diesem Kontext ist die Unterscheidung zwischen "Low-" und "High-Beta-Währungen" von Relevanz. Dieses Konzept wird in dem Beitrag "Der US-Dollar – ein sicherer Hafen am Devisenmarkt? Betrachtungen aus der Perspektive des Risikomanagements" von den Autoren Christoph Dieng, Tobias Basse (beide NORD/LB) und Christoph Wegener (Leuphana Universität Lüneburg) aus der Perspektive des Risikomanagements betrachtet und empirisch untersucht.

Litecoin, NeuCoin, Dodgecoin – mittlerweile gibt es hunderte von Blockchains, jede mit ihrer eigenen Kryptowährung. Hinter diesen stecken diverse Strategien, vom Austausch von Geldbeträgen unter Privatpersonen bis hin zum Versuch, nationale Währungen zu substituieren. Eignen sich Blockchains für den Einsatz in Zahlungssystemen ohne neue oder zusätzliche Risiken zu erzeugen? Diese Frage beantworten die Autoren Carsten Lehr (EFiS) und Christian Schwinghammer (EFiS Swiss) in ihrem Beitrag "Blockchain als Ersatz für traditionelle Zahlungssysteme?".

Eine von FIRM geförderte Forschung zeigt, dass "digital Footprint"- Variablen maßgeblich mit der Ausfallwahrscheinlichkeit von Kunden zusammenhängen und somit eine wertvolle alternative Datenquelle zur Risikoklassifizierung im Privatkundengeschäft darstellen. Neben dem Informationswert der Kreditnehmermerkmale kann jedoch auch das Klassifizierungsverfahren zur Modellierung des empirischen Zusammenhanges einen entscheidenden Einfluss auf die Trennschärfe eines Scoring-Modells haben, so die Autoren Tobias Berg und Maximilian Kreft (beide Frankfurt School of Finance & Management) in dem Beitrag "Digitale Fußabdrücke im Kredit-Scoring – Ein Vergleich von traditionellen statistischen und Machine Learning Verfahren".

Die Datenfülle der Versicherer ist ein reicher Steinbruch. Technologien wie KI und Data-Analytics erlauben der Branche die Kreation einer Produktwelt, die sich den Bedürfnissen der Kunden in ihrer Lebenssituation individueller und schneller annehmen kann als jemals zuvor. Die hohen Ansprüche des Datenschutzes sichern den bisherigen Playern in Europa noch einen enormen Marktvorteil. Wer es sich auf diesem Datenschutz-Puffer allzu gemütlich einrichtet, sollte bedenken, welche Chancen ein agiles Unternehmen für sich und auch die Kunden verschläft, während sich auch branchenfremde Anbieter auf aller Welt in die digitale Welt aufmachen, merkt Frank Schiller (Munich Re) in seinem Beitrag "Neue Produkte durch Big Data und KI in der Lebensversicherung?" kritisch an.

Big Data, Predictive Analytics und Machine Learning sind zu allgegenwärtigen "buzzwords" geworden – die Geschäftsmodelle und die Gesellschaft insgesamt revolutionieren sollen. Das Ziel des Einsatzes von Big-Data-Methoden und Datenanalysen liegt auf der Hand. Es geht um die Vermessung der Welt, der Kunden, dem Erstellen von Persönlichkeitsprofilen und der Voraussage in Echtzeit aus immer mehr Daten. Die Datenanalyse analysiert und visualisiert mit Hilfe statistischer Methoden Informationen aus großen Datenmengen. Der Beitrag "Datenanalyse zur Betrugserkennung und Risikofrüherkennung" von Hans-Willi Jackmuth (addResults) und Frank Romeike (RiskNET) liefert einen Überblick über die Nutzung der Datenanalyse und einiger hieraus entwickelter Werkzeuge zur Betrugserkennung und Risikofrüherkennung.

Übereinstimmend bezeichnet die Finanzdienstleistung seit geraumer Zeit die exogenen Risiken Niedrigzinsphase, regulatorische Verpflichtungen sowie Digitalisierung als ihre größten und drängendsten Herausforderungen. Dabei wird insbesondere die Digitalisierung die Finanzdienstleistungswirtschaft vollumfänglich und nachhaltig in ihren Aufbau- und Ablaufprozessen, ihren Produkten und Services sowie ihrer Preis- und Vertriebspolitik beeinflussen. Dergestalt wird eine Digitalisierungsstrategie das Geschäftsmodell der Finanzdienstleistungswirtschaft im Allgemeinen und der Versicherungswirtschaft im Besonderen unter risikotheoretischen Gesichtspunkten aktiver Aktions- und passiver Bedingungsrisiken verändern und ein digital angepasstes Risikomanagement mit den Schwerpunkten Data Mining, Statistik und Mathematik erfordern, so Matthias Müller-Reichart (Hochschule RheinMain) in dem Beitrag "Digitalisierung des versicherungsbetriebswirtschaftlichen Risikomanagements".

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