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Theodor Weimer: Regulierung positiv für Deutsche Börse

Theodor Weimer will bei der Deutschen Börse künftig auf organisches Wachstum mit kleinen bis mittleren Zukäufen setzen. „Wir wollen pro Jahr um 10 Prozent wachsen“, sagte Weimer. Dabei setzt er sich zum Ziel, das Geschäftsmodell des Unternehmens stetig weiterzuentwickeln. Sich nur auf den Handel zu konzentrieren, reiche nicht aus. Die Informationstechnologie steht bei dieser Strategie im Mittelpunkt, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG bei einer SAFE Policy Lecture am 12. Juli. Bei seiner Rede sprach Weimer über die Strategien von Börsen weltweit, die Ausrichtung der Deutschen Börse und über die Rolle der Regulatorik.

Mit Blick auf die Konkurrenz sagte Weimer, dass Wachstum notwendig sei: „Wer nicht wächst, wird gnadenlos aussortiert.“ Er verwies auf die Position der Deutschen Börse als größter Akteur in Europa und als wichtigster Derivatehändler. Mit einer Marktkapitalisierung von 22 Milliarden Euro sei die Deutsche Börse zudem eines der höchstbewerteten Unternehmen pro Mitarbeiter, sagte Weimer. Vor allem die jungen Mitarbeiter im IT-Bereich seien für den zukünftigen Erfolg der Deutschen Börse entscheidend.

„Börsen sind nicht nur Börsen, sondern Kapitalmarktinfrastrukturanbieter“, erklärte Weimer. Es gäbe Börsen, die an dem traditionellen Rollenverständnis festhielten, andere würde durch Zukäufe ihre überregionale Bedeutung stärken und wieder andere würden sich vom traditionellen Börsengeschäft zurückziehen.

Die Strategie der Deutschen Börse hingegen zielt laut Weimer mit Hilfe mittlerer und kleiner Zukäufe auf Dominanz im Technologiebereich, auf den Nachhandel und den Datenhandel. Wichtig sei vor allem eine funktionierende und leistungsstarke IT, besonders vor dem Hintergrund von bereits jetzt rund 100 Millionen Transaktionen und mehreren Hundert Millionen Ordereinträgen pro Tag. „Gerade in diesem Bereich wollen wir massiv investieren“, sagte Weimer.

Das Geschäftsfeld des Nachhandels werde in dieser Form von keiner anderen europäischen Börse betrieben und solle ebenfalls ausgebaut werden, so Weimer. Zuständig für das  Verwahren, Verwalten und Verrechnen von Assets nach dem Kauf ist die Tochtergesellschaft Clearstream, die etwa rund 14.000 Milliarden Euro in Wertpapieren hält. „Wir glauben an dieses Geschäft“, sagte Weimer. Allerdings begrenze es die „Feuerkraft“ der Deutschen Börse für Zukäufe, um das wichtige „AA-Rating“ für Clearstream zu erhalten und nicht gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten.

Regulierung positiv für Deutsche Börse

Ein weiteres Zukunftsgeschäft ist laut Weimer der Datenhandel: „Daten sind Ressourcen“, stellte er klar und verwies auf den „Regulatory Reporting Hub“. Bei diesem Geschäft greift die Deutsche Börse auf die Rohdaten von Finanzakteuren wie Kreditinstituten zu, bereitet diese auf und leitet das Reporting an die Aufsichtsbehörden weiter. Damit erzielt die Deutsche Börse laut Weimer bereits einen zweistelligen Millionenumsatz, rund 2.200 Banken nehmen demnach diese Dienstleistung derzeit in Anspruch.

Dieses Beispiel zeige, dass die Regulatorik durchaus eine zweischneidige Bedeutung für die Deutsche Börse habe: „Wir leiden unter der Regulierung wie die Banken, aber wir profitieren auch davon“, sagte Weimer. So trage die Aufsicht mit komplexen Regelungen dazu, dass neue Geschäftsfelder für die Börsen entstehen könnten, wie etwa beim Reporting. Ebenfalls würde mit fortschreitender Regulierung die Zahl der an der Börse gehandelten Geschäfte zunehmen, und die Vorschriften erhöhten zugleich die Transparenz und die Integrität der Börsen, sagte Weimer.

Für die Zukunft der Börsen ist Weimer zuversichtlich: Wachstum sei nicht nur von Marktvolatilität und Zinsentwicklung abhängig, so Weimer, sondern auch durch Managemententscheidungen und Prozessveränderungen möglich.